ওღ Sitara Blog ওღ

10 Jahre Raum für Entfaltung ওღ 1. Juni 2009 bis 1. Juni 2019
Sonntag, 2. Juni 2019

Gestern am 1. Juni habe ich voller Dankbarkeit und Freude mein 10-jähriges Jubilläum im Raum für Entfaltung gefeiert. Ganz fein. Ganz beschaulich. Im kleinsten Kreis.

Mein größtes Geschenk ist eine Gratulationskarte, in der ich mich vollkommen verstanden, geliebt und angenommen fühle … genauso wie ich bin. Im Raum für Entfaltung möchte ich DIR genau das auch schenken: Ich möchte dich sehen wie du bist. Ich möchte dich liebevoll annehmen wie du bist. Ich möchte dich unterstützen, dich selbst liebevoll anzunehmen wie du bist und dich wesensgemäß auszudrücken mit all deinem Licht, mit all deinen Schatten und mit all deinen einzigartigen Farben!

Hermann Hesse sagt es mit seinen Worten so treffend:
"Es gibt für Jeden keinen andern Weg der Entfaltung und Erfüllung als den der möglichst vollkommenen Darstellung des eigenen Wesens. "Sei du Selbst" […] es gibt keinen andern Weg zur Wahrheit und zur Entwicklung."
Hermann Hesse | Alle Rechte vorbehalten Suhrkamp Verlag Berlin

Dies ist der Text der Gratulationskarte, der mich zutiefst in meinem Herzen berührt:

"Du warst allein stehend, allein erziehend, kraftlos, am falschen Ort …
Du hast eine mutige Entscheidung getroffen. Voll Vertrauen.
In Dich, in das Universum, in die Liebe.
Du bist deinem Herzenswunsch gefolgt, deiner Vision, deiner Berufung.
Seitdem bist du am richtigen Ort!
Du bist gewachsen, gereift, hast nie aufgegeben, entfaltest dich.
So begleitest du auch viele Menschen in ihre Entfaltung und in ihrer Entfaltung und stärkst sie in ihrem Selbst.
Dein Wirken ist ein eigenartiges – ein voll und ganz dir entsprechendes – Kunstwerk aus Achtsamkeit, Poesie, Bewegung, Begegnung und mehr.
Du bist hiermit auf einem konkurrenzlos hohen Niveau.
Deine Begleitung ist heilsam, deine Ausstrahlung einzigartig, deine Anbindung ans Große und Ganze herausragend.
Alles was trennt möchtest du achtsam, respektvoll und liebevoll ins Große und Ganze integrieren und miteinander verbinden.
Hiervon lässt du dich nicht abhalten.
Auch nicht durch Zäune …
Herzlichen Glückwunsch zum zehnjährigen Jubiläum, liebe Sibylle!"

In tiefer Dankbarkeit und Demut für alles, was mir bisher auf meinem Lebensweg geschenkt wurde. ওღ Sibylle Sitara Göge ওღ


Identitätsfindung durch Abgrenzung *

Montag 18. Februar 2019

Es ist 6.43 Uhr. Mein Körper ist voller kribbeliger Vorfreude. In meinem Solarplexus steckt ein glucksendes Glücksgefühl. Ich liebe diese Stimmung. Dieses Gefühl kenne ich ganz besonders aus meiner Studienzeit und die ersten Jahre danach, bevor ich mein Referendariat als Lehrerin begonnen habe. Ich wache morgens auf und der Tag ist ein vor mir liegendes Abenteuer in dem Sinne, dass ich mich überraschen lasse. Ich habe ihn nicht fest geplant und bin neugierig auf das was kommt. In einer freudigen offenen Erwartungshaltung, aber ohne etwas Bestimmtes zu erwarten. Im Moment bin ich gespannt darauf, worüber ich heute schreiben werde.

Ich schließe meine Augen und verweile einige Atemzüge bei Atem-Körper-Spüren. Ich erlaube meinem ganzen Körper sich zu entspannen. Alles Denken lasse ich einige Zeit los. Ich komme allmählich an im Spüren des Hier und Jetzt. Ich trinke einige Schlucke von meinem Tee. Ich schmecke den Tee in meinem Mund. Spüre, wie der sehr warme Tee die etwas weniger warme Speiseröhre hinunter bis in den Magen transportiert wird. Kontraste. Gegensätze. Wäre der Tee genauso warm wie meine Speiseröhre, könnte ich ihn nicht so gut spüren. Gegensätze interessieren mich. Ich finde sie spannend. Gegensätze ziehen sich magnetisch an. Die Pole haben eine gegenseitige magnetische Anziehungskraft. Das merken wir sehr deutlich zwischen Mann und Frau. Zwischen männlichen und weiblichen Energien. In uns selbst genauso wie zwischen uns Menschen, Frauen und Männern, auch Frauen und Frauen, Männern und Männern. Wenn diese Pole sich aber zu schnell aufeinander zu bewegen kann es mächtig knallen. Sogar explodieren. Wann gibt es ein Liebesfeuer der Leidenschaft? Wann gibt es Krieg im Miteinander? Wann gibt ein kribbeliges, glucksendes Glücksgefühl im spannenden, freudvollen Miteinander? Sind es die gleichen Kräfte? Was macht den Unterschied zwischen dem Genuss des knisternden Feuers der Unterschiedlichkeit zwischen zwei Menschen und Kampf, Krieg, Ohnmacht, Zorn, Haß und Gewalt?

Ist es das Vertrauen, dass die Gegensätze sich gut tun, ergänzen und lieben können - wenn sie wahrhaftig wollen?

In meiner Arbeit mit der Bewussten KörperPoesie * spielen wir unter anderem mit den Polaritäten. Die Menschen in der Gruppe wissen, dass sie sich vertrauen können durch den festgelegten Rahmen des liebevollen Annehmes und So-Sein-Dürfens. Das Beispiel der Überschrift 'Identitätsfindung durch Abgrenzung': Wir legen die Rollen vorher fest. Ich ziehe und drücke an dir herum, fordere dich heraus - aber nicht um dich auf meine Seite zu ziehen oder dich irgendwohin zu drücken, sondern um dich in deiner Standfestigkeit zu stärken. Erst durch den Widerstand - das Gegen Einander - erkennen und spüren wir beide unsere Stärke. Bei dieser Übung ist die Allmählichkeit das A und O. Wenn ich plötzlich, schnell und mit kraftvoller Wucht ziehe und drücke, dann fällt der andere um. In der Übung muss ich allmählich, langsam und fließend die Kraft vergrößern und wieder zurücknehmen, damit die Übung funktioniert. Das Allmähliche, Langsame, Fließende ist aus meiner Sicht dem urweiblichen Prinzip zugeordnet. Das Plötzliche, Schnelle und Kraftvolle ist für mich dem urmännlichen Prinzip zugeordnet. Das urweibliche Prinzip von allmählich, langsam und fließend wird von unseren Zellen als friedlich empfunden. Das urmännliche Prinzip von plötzich, schnell und kraftvoll zackig bewerten unsere Zellen normalerweise direkt als Angriff. Aber letztendlich ist nur der Geist dahinter ausschlaggebend: Ich kann allmählich einen Frosch erhitzen im Topf, um ihn zu töten. Er merkt es nicht. ( Ein grausames Beispiel und ich finde es furchtbar. Aber ich kenne kein besseres Bild um den Sachverhalt zu verdeutlichen). Ich kann plötzlich in Gelächter ausbrechen und dich freudvoll umarmen. * Der Geist dahinter ist entweder im Vertrauen und in Liebe oder in Angst und Verteidigung/Angriff.

Warum klappt das so gut in meinen Workshops - ich liiieeebe diese Übungen - aber so schlecht in manchen meiner Beziehungen?

Weil es an Vertrauen fehlt?
Weil der eine den anderen immer noch auf seine Seite ziehen will?
Überwältigen will?
Gewinnen will?
Recht haben will?
Auf Teufel komm raus, als ob es um Leben und Tod geht?

Wenn ich in meinen Beziehungen das Vertrauen habe: Der andere ist gut so wie er/sie ist. Er/sie sorgt gut für sich und ich sorge gut für mich. Wir setzen uns aus-einander - im wahrsten Sinne des Wortes - und schauen uns das Ganze genauestens an. Spüren hinein. Entwickeln die Kraft zu unseren wahren Bedürfnissen zu stehen. Entwickeln Schritt für Schritt das Vertrauen, dass wir gemeinsam für unser individuelles Wohl im Miteinander sorgen wollen. Indem ich mir erlaube unsere Gegensätze deutlich auszudrücken, auch mal an dem anderen zu ziehen und zu drücken - und mich ziehen und drücken lassen - und durch dieses Hineinspüren immer deutlicher zu spüren:

Wie weit kann ich auf den anderen zugehen?
Was ist zuviel?
Was ist zuwenig?

So können wir gemeinsam unsere goldene Mitte finden. Oder je nach Situation jeder für sich oder mit anderen die Dinge unternehmen, die zusammen einfach keine Freude machen. Ist das gemeint mit dem Buchtitel von Dan Millmann: Der Pfad des friedvollen Kriegers? Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber ich finde es passt gut zu meinem Thema heute. Ich selbst habe mit der ein oder anderen Person in meinem Leben noch ordentlich Luft nach oben in Bezug auf dieses Thema.

Ich lasse das jetzt mal so stehen. Erfreue mich, dass es in meinen Gruppen so gut klappt und übe mich weiter in meiner Lebenskunst in meinem persönlichen Alltag: Entfaltung im Miteinander mit den Menschen, die mir wichtig sind in meinem Leben. Nun lasse ich die luftige Welt der Worte ausklingen. Schließe meine Augen und verweile einige Atemzüge bei Atmung-Körper-Spüren, um mich zu sammeln im Hier und Jetzt.

Ich bin dankbar eingestimmt und gespannt auf diesen Tag. Die Sonne scheint. Blauer Himmel. Der Rest des Tages ist mein freier Tag. Ich bin verabredet mit meinem Lebensgefährten. Ich freue mich auf uns. Tun was ansteht.

* Identitätsfindung durch Abgrenzung ist eine Formulierung von Dr. Kappert. Bewusste KörperPoesie, die beschriebene Partnerübung und die Philososphie zu Plötzlich und Allmählich ist inspiriert durch Dr. Kappert.


Über anmutiges Innehalten und mitreißende Abenteuerlust
Sonntag 17. Februar 2019

Ich schließe meine Augen.

Sanft und liebevoll lenke ich den Teil meiner Achtsamkeit, den ich lenken kann auf meine Atmung. Ich spüre die etwas kühle Atemluft über die Innenseite meines linken Nasenlochs einströmen und wärmere Luft wieder ausströmen. Ich spüre wie die Luft in meiner Kehle hinunter und wieder hoch strömt. Ich spüre wie mein Brustkorb sich in alle Richtungen sanft ausdehnt und wieder in sich zusammensinkt. Dabei fällt mir auf, dass meine Schultern sich etwas nach oben und vorne zusammen gezogen haben. Ich erlaube meinen Schultern sich zu entspannen.

Dabei spüre ich wie immer, dass meine linke Schulter ein bisschen weiter nach vorne gezogen ist. Meine linke verletzliche feminine Körperseite. So oft schon hat sie sich in meinem Leben zusammengezogen aus Angst vor der lauten, für mich viel zu groben Welt da draußen, dass sie auf Dauer ganz anders geworden ist, als meine rechte abenteuerlustige maskuline Schulterseite, die mutig und willensstark geöffnet ist ... bereit voller Begeisterung und Neugier die Welt zu erkunden. Seit einigen Jahren übe ich mich darin, meine starke innere Polarität von zartester femininer Anmut und stürmischer männlicher Schaffenskraft in Einklang zu bringen. Bis zu meinem vierzigsten Lebensjahr hat meistens meine männliche Seite meine weibliche Seite überwältigt. Mein rechtes Auge ist viel größer als das linke Auge. Auf alten Fotos sieht man das sehr stark. Ich bin mir selber dankbar dafür, dass ich meine feminine Seite mehr und mehr hege und pflege, nähre, hüte und beschütze. Mein linkes Auge ist größer geworden. Und irgendwann werden meine Schultern gleich weit geöffnet sein.

Eine gesunde Balance und eine Versöhnung zwischen meiner inneren Männlichkeit des Machens und meiner inneren Weiblichkeit des Geschehen lassens* zu leben ist ein großes Thema in meinem Leben. Ich glaube, dass in der Urform der Weiblichkeit das universelle wissende Feld spürbar und wahrnehmbar ist. Dort liegen alle Antworten auf alle Fragen. Im stillen Geschehen lassen, spüren und wahrnehmen öffnet sich dieses wissende Feld in meinem Körper-Geist-Gefühl. Meine Urweiblichkeit zeigt meinem in der Welt Agieren die Richtung an. Sobald mir dann bewusst ist, was zu tun ist, kann meine Urmännlichkeit zur Tat schreiten und handeln. Da ich dieses Thema so spannend und für mich auch als herausfordernd empfinde, fließt es in all meine Arbeit im Raum für Entfaltung ein.

Ich habe sogar das Gefühl, dass dieses Thema zum Frieden auf der Welt beitragen kann. Der Kampf zwischen den Geschlechtern. Wieviel mag er dazu beitragen, dass es Kämpfe zwischen Völkern gibt? Wären Menschen, die in einer wahrhaftigen Liebesbeziehung körperlich, geistig, seelisch und sexuell erfüllt sind, interessiert an Gewalt, Krieg, Rache und Vergeltung? Der Kampf beginnt in mir. Diese zwei starken Pole Urmännlichkeit und Urweiblichkeit können und wollen sich ergänzen. Wenn das gelingt, haben wir den Himmel auf Erden. Wenn sie sich bekämpfen, haben wir die Hölle auf Erden.

Ich freue mich, dass ich nun meinen eigenen Blog eröffnet habe. Ich drücke mich gerne aus. Es fließt und strömt aus mir heraus und bereitet mir große Freude. Es ist ein erster Schritt in eine neue Richtung. Nicht mehr nur in meiner persönlichen Arbeit mit den Menschen intuitiv meine Worte fließen lassen, sondern auch zu schreiben. Das wird mir gut tun und ich freue mich ganz besonders, wenn mein 'mich öffnen' auch anderen Menschen gut tut auf ihrem persönlichen Lebens- und Entfaltungsweg.

Meine Augen sind nun geöffnet. Während ich schreibe spüre ich meinen Atem bis in den Bauchraum. Ich erlaube meinem Unterleib sich zu entspannen und spüre meinen Atem bis in den Beckenboden. Ich spüre meine Arme, Beine, Hände, Füße, Kopf, Gesicht und Kopfhaut. Ich spüre den Puls in meinen Fingerspitzen und in meinen Zehenspitzen. Ich spüre Energiewellen durch meinen Körper fein und sehr lebendig schwingen. Ich nehme meinen weiten, freudvoll gestimmten Geist wahr. Ich bin angekommen. Ich bin Zuhause. Ich bin in meinem Körper. Vollkommen präsent und gegenwärtig. Gleichzeitig tippe ich diese Buchstaben ein. Ich nehme meine Gefühle von Dankbarkeit, Glück, Zufriedenheit und Vorfreude wahr. Ich spüre mein Wurzelchakra pulsieren. Das ist ein sehr gutes Zeichen. Ich habe einen neuen Schritt gewagt in meine Zukunft. Ich habe die richtige Entscheidung getroffen. Ich spüre meinen Atem in meinem rechten Nasenloch ein- und ausströmen.

Ich schließe meine Augen.
Es fühlt sich rund an.

* Die Formulierung "Versöhnung zwischen Machen und Geschehen lassen" von Dr. Kappert fasst meine persönlichen Erfahrungen zu diesem Thema ganz wunderbar zusammen.